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Die sechs Sieben Zwerge der Apokalypse
und die Blaue Rose der Weisheit
und die Blaue Rose der Weisheit
(c) 2009 gnoebel
"Finde den Schnickschnackberg, hat er gesagt. Erklimme den unendlichen Pfad der Weisheit, hat er gesagt. Bring mir die blaue Rose der Weisheit vom obersten Gipfel, hat er gesagt. Kalt ist es und ekliges Gewürm wohnt da, das hat er nicht gesagt. Gepflegt am Arsch kann der mich lecken."
Seit etwa vier Tagen erklomm Kraal nun schon die eisigen Höhen des Schnickschnackberges, wobei erklomm nur dann der richtige Begriff für seine Tätigkeit gewesen wäre, wenn man damit das vertikale Pendant zu einer netten Kriechpartie durch einen vereisten Matschtümpel gemeint hätte, dessen Matschigkeit nicht von seiner Vereisung beeinträchtig wurde.
Der größte Held aller Zeiten, Bezwinger des siebzehnäugigen Achtzehnäuglings, Finder, Verlierer und Wiederfinder der einzigen jemals funktionstüchtigen Doppelläufigen Hatschina, Bezwinger der Zwölfenarmee von Krummbach und einziger Überlebender des großen Knallfischwettessens auf Sardonien, krallte sich mit der rechten Hand an einem kleinen Felsvorsprung fest, ignorierte den Nasenbohrer, der langsam über seinen Zeigefinger kroch und zog sich empor.
"Wenn dieser dämliche Mönch auch nur ein Wort darüber gesagt hätte, dass dieser verschissene Bergpass so senkrecht ist, wie die Kletterwände von Lotringen, dann hätte der seine blöde Rose schön alleine suchen können", fluchte Kraal leise. Er wusste, dass jedes zu laute Wort Lawinen auslösen könnte, welche wiederum das Kloster des allumfassenden Allumfassenden am Fuße des Berges unweigerlich unter sich begraben würden. Obwohl er in den letzten Tagen eine recht blühende Fantasie in Sachen Untergang der dort ansässigen Mönche entwickelt hatte, wollte er an diesem doch nicht so unmittelbar beteiligt sein. Wenn schon Lawine, so dachte er, dann am liebsten aus weiter Entfernung mit einer Schüssel Mupfelsaft in der einen und einer schön heißen Brutwurst in der anderen Hand beobachtet. Der Nasenbohrer biss ihm in die Hand. ... "Ich hab den Längsten."
"Hast du gar nicht."
"Doch, hier. Guck doch aufs Maßband."
"Du hast dich bestimmt vermessen. Da, du hältst den Finger gar nicht richtig!"
"Willst du mir jetzt sagen, ich wüsste nicht, wie man misst? Ich hab schon gemessen, da warst du noch ein kleiner Zweistelliger!"
"Ach, komm... du bist doch selber erst hundertvierzehn."
"Ja, aber..."
"Jungs", unterbrach Vier. "Hört auf, euch zu streiten. Das ist es doch nicht wert. Und außerdem", fügte er grinsend hinzu, "hab ich den Längsten."
"Ja, deiner ist ziemlich lang, das muss ich zugeben", gab Drei zu. Fünf nickte. Eins murmelte etwas Zustimmendes und Zwei und Sechs übten sich in stummer Bewunderung.
"Dafür... dafür", grummelte Drei, "ist meiner buschiger."
"Darauf kommt es nicht an. Es geht um die Länge."
"Wer sagt das?"
"Das steht in den Regeln."
"Wer ist denn gestorben, dass du jetzt hier Bartmessungsregelwart bist?"
"Sieben", sagte Vier.
"Oh ja... stimmt..." Die sechs Sieben Zwerge der Apokalypse senkten ihre Köpfe und legten eine kleine Schweigeminute für ihren tatsächlich jüngst verstorbenen Kollegen ein. Sieben war im letzten Sommer ein Edelstallträger auf den Kopf gefallen, und das ist ein Unfall, den niemand, schon gar kein Zwerg, einfach mal so überleben kann. Stallträger ist ein unter Zwiklopen sehr angesehener Beruf - damit tun sie etwas für die Gesellschaft und helfen Bauern, die ihre Ställe nicht selber tragen wollen.
Nach zehn Sekunden war die Schweigeminute vorüber.
"Ich glaube", sagte Fünf, "wir brauchen wieder einen siebten Mann."
"Zwerg."
"Ja... Zwerg." ... "Wird ja auch alles total überwertet."
"Ja."
"Also, das mit der Welt und so."
"Ja."
"Jetzt mal angenommen, also nur mal angenommen, ich wäre jetzt nicht da..."
"Warum? Wo solltest du denn sonst sein?"
"Nee, hör doch mal zu hier! Also, wenn ich nicht da wäre, also gar nicht. Ich meine, nullexistent quasi, was würde das ändern? Jetzt im Gesamtkontext?"
"Nullexis..."
"Nee, jetz sach doch mal."
"Woher soll ich das wissen? Bin ich Rhesus?"
"Nein, sicher nicht. Aber jetzt mal von Anfang. Also, wenn... oh, mein Trötenschleim ist alle. Mach mal voll."
"Du weißt aber, dass du schon drei hattest, oder?"
"Keine Angst, ich kann zahlen."
"Wäre besser. Sonst sag ich Olgar, er soll mal deine Nullexistenz einläuten." Der Rundschwabbling freute sich offensichtlich sehr über seinen gelungenen Scherz, seiner Erinnerung nach der erste seit sieben Jahren, und schenkte dem Zwerg einen weiteren Krug ein. Es war nur ein kleiner Krug, aber selbst für einen normalen Mann ist Trötenschleim nichts, mit dem man in einer durchzechten Nacht scherzen sollte. Tröten leben in den wilden Faulsümpfen ein paar Kilometer nördlich von Gammelburg, einer kleinen Provinz irgendwo draußen bei Schmuddelingen. Obwohl sich der von ihnen ausgesonderte Schleim in Form, Konsistenz und Geschmack nicht besonders vom Auswurf eines gewöhnlichen Kleckertrolls unterscheidet, ist seine berauschende Wirkung weit über die Grenzen von Schmuddelingen gefürchtet. Die Tröten erwehren sich ihrer Angreifer, indem sie sie mit intelligentem Schleim bespucken, der dem Opfer ununterbrochen ins Ohr brüllt und ihn so zum Wahnsinn treibt. Die Frequenzen dieses Geräuschs sorgen bei Verzehr dafür, dass die Mageninnenwand in Schwingung versetzt wird, was dem Gehirn das Gefühl genau jener absoluten Übelkeit vorgaukelt, die sich sonst nur nach dem Genuss von vier Litern Mupfelsaft einstellt. Und da das Gehirn an sich ein sehr bequemer Zeitgenosse ist, nimmt es dann auch folgerichtig an, man hätte vier Liter Mupfelsaft zu sich genommen.
Die Geschichte, wie Joe es geschafft hatte, einer der drei weltweiten Exklusivanbieter für dieses Getränk zu werden, ist ebenso lang, wie interessant. Ein wenig lustig ist sie auch, aber sie hat die Eigenschaft, nach dem dritten Kapitel äußerst langweilig zu werden. Ziemlich genau nach der Sexszene zwischen dem Helden Akrabix und der feurigen Eunuchin des Sultans von Gammelburg. "Ich kann sogar ne Menge Zahlen", fuhr der Zwerg fort und lachte. "Sieben zum Beispiel. Sieben kann ich gut. Haha." Mit diesem letzten Lacher fiel er vom Hocker. So bekam er nicht mit, wie Will Rust and his True Metals die Bühne der Kneipe betraten. Jeden Mittwoch war in Joes kleiner Drachenpinte nämlich Live-Musik angesagt.
Der schmächtige Zwiklop - dabei handelt es sich um eine äußerst seltene Unterart der Zyklopen mit zwei Augen - nahm am Mikrofon Platz und seine Begleiter, drei ehemals mächtige Ritter aus den Tiefen der Zwölfenwälder, postierten sich in einer Art Halbkreis hinter ihrem Frontmann.
"Guten Abend...", brüllte Will ins Mikro. Dann, etwas leiser: "Wie heißt dieses Kaff nochmal?" Olgar, der gefürchtetste Barbar von allen, brüllte es ihm vom Tresen her vergnügt zu. "Danke. Also, seid ihr bereit, zu rocken?"
"Ach, ich weiß nicht...", sagte einer der anwesenden Gäste und gähnte.
"Mal sehen... vielleicht", sagte ein anderer.
"Also, ich wär schon bereit", meinte jemand aus der dunkelsten Ecke. "Oder, nee, was hat er gesagt? Nee, dann doch nicht. Sorry."
Lediglich die vierköpfige studentische Reisegruppe eines nördlichen Wackingerstammes geriet kurzfristig aus dem Häuschen.
"Ich fragte", wiederholte Will, "seid ihr bereit zu rocken? Okay, dann werden wir rocken! Eins, zwei, Bouhja!" Und dann wurde die allgemeine Akustik im Raum durch das audielle Äquivalent einer brunftigen Eletantenherde ersetzt. Die drei Ritter droschen wie hyperaktive Rundspechte auf ihre Rüstungen ein und Will brüllte, einem manisch depressiven Schreihörnchen nicht unähnlich, ins Mikro, wobei die Band einen Schalldruck erzeugte, der Joe zweifeln ließ, ob die Wände seiner schönen Kneipe dem auf Dauer standhalten könnten. Aber den Gästen schien es zu gefallen. Einigen.
"Ich komme der Umhinkommung des Gedankens nicht umhin, festzustellen, dass der Pegel der allgemeinen Geräuschlichkeit in seiner Angenommenheit einen Wert jenseits dessen hat, welcher sich mit gigantuesker Gigantiertheit der Enormität annähert", sagte Meister Zungschlag, der sich unbemerkt von allen an den Tresen geschlichen hatte und sich jetzt dort festhielt. Aber niemand verstand ihn. Dem Mönch machte das nicht viel aus, denn er war es gewohnt.
"Halts Maul!", brüllte einer der Wackinger und wedelte bedrohlich mit seiner Mähne.
"Ja! Bei Thorodin, dem Symphonischen, wir wollen die Musik hörn."
"Da die Dimension meiner entschuldigenden Gestik sich deiner akustischen Wahrnehmung gegenüber in einer umgekehrten Proportionalität eures Aggressionspotentials verhält, werde ich mir selbst fürderhin ein Diktat der Ruhe auferlegen."
"Wat is?"
"Die Versiegeltheit meiner Lippen ist von nun an eine Sache, deren Beschlossenheit ich mit absoluter Garantiertheit garan..." Und in diesem Moment flog der erste Mupfelsaftkrug. ... "Ja, aber warum hast du mich gebissen?"
"Nenn es einen Akt der Zuneigung."
"Leck mich doch! Wegen dir wär ich fast runtergefallen."
"Hey, irgendwie musste ich dich auf mich aufmerksam machen, oder? Sonst hätte der Yedi dich voll erwischt."
"Du hättest was sagen können. Vorsicht, ein Yedi! wäre zum Beispiel ein guter Anfang gewesen." Yedis sind die drittgefährlichste Bedrohung, denen ein Held sich in diesen Breiten gegenübersehen kann, womit sie unter den gefährlichsten Bedrohungen überhaupt immer noch einen der vorderen Plätze belegen dürften.
Die weißen Zottelwesen werden etwa zwei Meter groß und genauso breit. Sie haben drei Mägen und einen mit scharfen Reißzähnen bewaffneten Mund, der sicherstellt, dass diese drei Mägen immer etwas zu tun haben. Der männliche Yedi wird meistens von einer unerklärlich grün schimmernden Aura umgeben, die es ihm schier unmöglich macht, sich seinem Opfer unbemerkt zu nähern. Deswegen haben die Yedis über die Jahre hinweg die Kunst des Röchelns erlernt. Dieses Geräusch hat eine hypnotische Wirkung auf alle Lebewesen und sorgt dafür, dass diese sich nicht mehr rühren können. Nach dem Biss des Nasenbohrers hatte Kraal vor Schreck den Halt an seiner Felskante verloren und war etwa einen Meter tief auf einen Vorsprung gestürzt. Sein Gehirn nutzte die Verwirrung aufgrund des Falles und der kurzzeitigen Desorientierung und analysierte die Umgebung neu. Dabei fiel ihm nicht nur das charakteristisch grünliche Schimmern etwas weiter oben im Berg auf, sondern auch eine Hand voll Glitschmoos, eine Pflanzenart, die in ebenso praktischer wie bananenförmiger Wurfgeschossgröße auf Bergen dieser Art wächst. Der Rest war dann eine Mischung aus Kraals außergewöhnlichen Heldenreflexen, seinem fantastischen Zielvermögen und der Schwerkraft.
Die beiden gefährlichsten Wesen in diesen Breiten sind übrigens der Dungwerfer und die doppelzüngige Rummsraupe. "Du hättest mir nicht zugehört. Und jetzt sei ruhig und steck mich in deine Nase."
"Natürlich hätte ich dir... Was?"
"In die Nase, ja. Wie willst du sonst die Rummsraupe besiegen?"
"Darüber hab ich mir noch gar keine Gedanken gemacht."
"Eben. Also steck mich in die Nase."
"Kann ich dich was fragen?"
"Klar."
"Was ist eine Rummsraupe?"
Seit etwa vier Tagen erklomm Kraal nun schon die eisigen Höhen des Schnickschnackberges, wobei erklomm nur dann der richtige Begriff für seine Tätigkeit gewesen wäre, wenn man damit das vertikale Pendant zu einer netten Kriechpartie durch einen vereisten Matschtümpel gemeint hätte, dessen Matschigkeit nicht von seiner Vereisung beeinträchtig wurde.
Der größte Held aller Zeiten, Bezwinger des siebzehnäugigen Achtzehnäuglings, Finder, Verlierer und Wiederfinder der einzigen jemals funktionstüchtigen Doppelläufigen Hatschina, Bezwinger der Zwölfenarmee von Krummbach und einziger Überlebender des großen Knallfischwettessens auf Sardonien, krallte sich mit der rechten Hand an einem kleinen Felsvorsprung fest, ignorierte den Nasenbohrer, der langsam über seinen Zeigefinger kroch und zog sich empor.
"Wenn dieser dämliche Mönch auch nur ein Wort darüber gesagt hätte, dass dieser verschissene Bergpass so senkrecht ist, wie die Kletterwände von Lotringen, dann hätte der seine blöde Rose schön alleine suchen können", fluchte Kraal leise. Er wusste, dass jedes zu laute Wort Lawinen auslösen könnte, welche wiederum das Kloster des allumfassenden Allumfassenden am Fuße des Berges unweigerlich unter sich begraben würden. Obwohl er in den letzten Tagen eine recht blühende Fantasie in Sachen Untergang der dort ansässigen Mönche entwickelt hatte, wollte er an diesem doch nicht so unmittelbar beteiligt sein. Wenn schon Lawine, so dachte er, dann am liebsten aus weiter Entfernung mit einer Schüssel Mupfelsaft in der einen und einer schön heißen Brutwurst in der anderen Hand beobachtet. Der Nasenbohrer biss ihm in die Hand. ... "Ich hab den Längsten."
"Hast du gar nicht."
"Doch, hier. Guck doch aufs Maßband."
"Du hast dich bestimmt vermessen. Da, du hältst den Finger gar nicht richtig!"
"Willst du mir jetzt sagen, ich wüsste nicht, wie man misst? Ich hab schon gemessen, da warst du noch ein kleiner Zweistelliger!"
"Ach, komm... du bist doch selber erst hundertvierzehn."
"Ja, aber..."
"Jungs", unterbrach Vier. "Hört auf, euch zu streiten. Das ist es doch nicht wert. Und außerdem", fügte er grinsend hinzu, "hab ich den Längsten."
"Ja, deiner ist ziemlich lang, das muss ich zugeben", gab Drei zu. Fünf nickte. Eins murmelte etwas Zustimmendes und Zwei und Sechs übten sich in stummer Bewunderung.
"Dafür... dafür", grummelte Drei, "ist meiner buschiger."
"Darauf kommt es nicht an. Es geht um die Länge."
"Wer sagt das?"
"Das steht in den Regeln."
"Wer ist denn gestorben, dass du jetzt hier Bartmessungsregelwart bist?"
"Sieben", sagte Vier.
"Oh ja... stimmt..." Die sechs Sieben Zwerge der Apokalypse senkten ihre Köpfe und legten eine kleine Schweigeminute für ihren tatsächlich jüngst verstorbenen Kollegen ein. Sieben war im letzten Sommer ein Edelstallträger auf den Kopf gefallen, und das ist ein Unfall, den niemand, schon gar kein Zwerg, einfach mal so überleben kann. Stallträger ist ein unter Zwiklopen sehr angesehener Beruf - damit tun sie etwas für die Gesellschaft und helfen Bauern, die ihre Ställe nicht selber tragen wollen.
Nach zehn Sekunden war die Schweigeminute vorüber.
"Ich glaube", sagte Fünf, "wir brauchen wieder einen siebten Mann."
"Zwerg."
"Ja... Zwerg." ... "Wird ja auch alles total überwertet."
"Ja."
"Also, das mit der Welt und so."
"Ja."
"Jetzt mal angenommen, also nur mal angenommen, ich wäre jetzt nicht da..."
"Warum? Wo solltest du denn sonst sein?"
"Nee, hör doch mal zu hier! Also, wenn ich nicht da wäre, also gar nicht. Ich meine, nullexistent quasi, was würde das ändern? Jetzt im Gesamtkontext?"
"Nullexis..."
"Nee, jetz sach doch mal."
"Woher soll ich das wissen? Bin ich Rhesus?"
"Nein, sicher nicht. Aber jetzt mal von Anfang. Also, wenn... oh, mein Trötenschleim ist alle. Mach mal voll."
"Du weißt aber, dass du schon drei hattest, oder?"
"Keine Angst, ich kann zahlen."
"Wäre besser. Sonst sag ich Olgar, er soll mal deine Nullexistenz einläuten." Der Rundschwabbling freute sich offensichtlich sehr über seinen gelungenen Scherz, seiner Erinnerung nach der erste seit sieben Jahren, und schenkte dem Zwerg einen weiteren Krug ein. Es war nur ein kleiner Krug, aber selbst für einen normalen Mann ist Trötenschleim nichts, mit dem man in einer durchzechten Nacht scherzen sollte. Tröten leben in den wilden Faulsümpfen ein paar Kilometer nördlich von Gammelburg, einer kleinen Provinz irgendwo draußen bei Schmuddelingen. Obwohl sich der von ihnen ausgesonderte Schleim in Form, Konsistenz und Geschmack nicht besonders vom Auswurf eines gewöhnlichen Kleckertrolls unterscheidet, ist seine berauschende Wirkung weit über die Grenzen von Schmuddelingen gefürchtet. Die Tröten erwehren sich ihrer Angreifer, indem sie sie mit intelligentem Schleim bespucken, der dem Opfer ununterbrochen ins Ohr brüllt und ihn so zum Wahnsinn treibt. Die Frequenzen dieses Geräuschs sorgen bei Verzehr dafür, dass die Mageninnenwand in Schwingung versetzt wird, was dem Gehirn das Gefühl genau jener absoluten Übelkeit vorgaukelt, die sich sonst nur nach dem Genuss von vier Litern Mupfelsaft einstellt. Und da das Gehirn an sich ein sehr bequemer Zeitgenosse ist, nimmt es dann auch folgerichtig an, man hätte vier Liter Mupfelsaft zu sich genommen.
Die Geschichte, wie Joe es geschafft hatte, einer der drei weltweiten Exklusivanbieter für dieses Getränk zu werden, ist ebenso lang, wie interessant. Ein wenig lustig ist sie auch, aber sie hat die Eigenschaft, nach dem dritten Kapitel äußerst langweilig zu werden. Ziemlich genau nach der Sexszene zwischen dem Helden Akrabix und der feurigen Eunuchin des Sultans von Gammelburg. "Ich kann sogar ne Menge Zahlen", fuhr der Zwerg fort und lachte. "Sieben zum Beispiel. Sieben kann ich gut. Haha." Mit diesem letzten Lacher fiel er vom Hocker. So bekam er nicht mit, wie Will Rust and his True Metals die Bühne der Kneipe betraten. Jeden Mittwoch war in Joes kleiner Drachenpinte nämlich Live-Musik angesagt.
Der schmächtige Zwiklop - dabei handelt es sich um eine äußerst seltene Unterart der Zyklopen mit zwei Augen - nahm am Mikrofon Platz und seine Begleiter, drei ehemals mächtige Ritter aus den Tiefen der Zwölfenwälder, postierten sich in einer Art Halbkreis hinter ihrem Frontmann.
"Guten Abend...", brüllte Will ins Mikro. Dann, etwas leiser: "Wie heißt dieses Kaff nochmal?" Olgar, der gefürchtetste Barbar von allen, brüllte es ihm vom Tresen her vergnügt zu. "Danke. Also, seid ihr bereit, zu rocken?"
"Ach, ich weiß nicht...", sagte einer der anwesenden Gäste und gähnte.
"Mal sehen... vielleicht", sagte ein anderer.
"Also, ich wär schon bereit", meinte jemand aus der dunkelsten Ecke. "Oder, nee, was hat er gesagt? Nee, dann doch nicht. Sorry."
Lediglich die vierköpfige studentische Reisegruppe eines nördlichen Wackingerstammes geriet kurzfristig aus dem Häuschen.
"Ich fragte", wiederholte Will, "seid ihr bereit zu rocken? Okay, dann werden wir rocken! Eins, zwei, Bouhja!" Und dann wurde die allgemeine Akustik im Raum durch das audielle Äquivalent einer brunftigen Eletantenherde ersetzt. Die drei Ritter droschen wie hyperaktive Rundspechte auf ihre Rüstungen ein und Will brüllte, einem manisch depressiven Schreihörnchen nicht unähnlich, ins Mikro, wobei die Band einen Schalldruck erzeugte, der Joe zweifeln ließ, ob die Wände seiner schönen Kneipe dem auf Dauer standhalten könnten. Aber den Gästen schien es zu gefallen. Einigen.
"Ich komme der Umhinkommung des Gedankens nicht umhin, festzustellen, dass der Pegel der allgemeinen Geräuschlichkeit in seiner Angenommenheit einen Wert jenseits dessen hat, welcher sich mit gigantuesker Gigantiertheit der Enormität annähert", sagte Meister Zungschlag, der sich unbemerkt von allen an den Tresen geschlichen hatte und sich jetzt dort festhielt. Aber niemand verstand ihn. Dem Mönch machte das nicht viel aus, denn er war es gewohnt.
"Halts Maul!", brüllte einer der Wackinger und wedelte bedrohlich mit seiner Mähne.
"Ja! Bei Thorodin, dem Symphonischen, wir wollen die Musik hörn."
"Da die Dimension meiner entschuldigenden Gestik sich deiner akustischen Wahrnehmung gegenüber in einer umgekehrten Proportionalität eures Aggressionspotentials verhält, werde ich mir selbst fürderhin ein Diktat der Ruhe auferlegen."
"Wat is?"
"Die Versiegeltheit meiner Lippen ist von nun an eine Sache, deren Beschlossenheit ich mit absoluter Garantiertheit garan..." Und in diesem Moment flog der erste Mupfelsaftkrug. ... "Ja, aber warum hast du mich gebissen?"
"Nenn es einen Akt der Zuneigung."
"Leck mich doch! Wegen dir wär ich fast runtergefallen."
"Hey, irgendwie musste ich dich auf mich aufmerksam machen, oder? Sonst hätte der Yedi dich voll erwischt."
"Du hättest was sagen können. Vorsicht, ein Yedi! wäre zum Beispiel ein guter Anfang gewesen." Yedis sind die drittgefährlichste Bedrohung, denen ein Held sich in diesen Breiten gegenübersehen kann, womit sie unter den gefährlichsten Bedrohungen überhaupt immer noch einen der vorderen Plätze belegen dürften.
Die weißen Zottelwesen werden etwa zwei Meter groß und genauso breit. Sie haben drei Mägen und einen mit scharfen Reißzähnen bewaffneten Mund, der sicherstellt, dass diese drei Mägen immer etwas zu tun haben. Der männliche Yedi wird meistens von einer unerklärlich grün schimmernden Aura umgeben, die es ihm schier unmöglich macht, sich seinem Opfer unbemerkt zu nähern. Deswegen haben die Yedis über die Jahre hinweg die Kunst des Röchelns erlernt. Dieses Geräusch hat eine hypnotische Wirkung auf alle Lebewesen und sorgt dafür, dass diese sich nicht mehr rühren können. Nach dem Biss des Nasenbohrers hatte Kraal vor Schreck den Halt an seiner Felskante verloren und war etwa einen Meter tief auf einen Vorsprung gestürzt. Sein Gehirn nutzte die Verwirrung aufgrund des Falles und der kurzzeitigen Desorientierung und analysierte die Umgebung neu. Dabei fiel ihm nicht nur das charakteristisch grünliche Schimmern etwas weiter oben im Berg auf, sondern auch eine Hand voll Glitschmoos, eine Pflanzenart, die in ebenso praktischer wie bananenförmiger Wurfgeschossgröße auf Bergen dieser Art wächst. Der Rest war dann eine Mischung aus Kraals außergewöhnlichen Heldenreflexen, seinem fantastischen Zielvermögen und der Schwerkraft.
Die beiden gefährlichsten Wesen in diesen Breiten sind übrigens der Dungwerfer und die doppelzüngige Rummsraupe. "Du hättest mir nicht zugehört. Und jetzt sei ruhig und steck mich in deine Nase."
"Natürlich hätte ich dir... Was?"
"In die Nase, ja. Wie willst du sonst die Rummsraupe besiegen?"
"Darüber hab ich mir noch gar keine Gedanken gemacht."
"Eben. Also steck mich in die Nase."
"Kann ich dich was fragen?"
"Klar."
"Was ist eine Rummsraupe?"